Dorothee Wyss

«Dorothee Wyss ist für mich eine gleichermassen aussergewöhnliche wie gewöhnliche Frau, weil sie einerseits für ihr eigenes und das Leben ihrer vielen Kinder Verantwortung übernimmt und schlicht tut, was es zu tun gibt…»

Jacqueline Keune, Theologin und Autorin

Historische Kenntnisse

Die historischen Kenntnisse zu Dorothee Wyss, der Frau des Niklaus von Flüe, sind gering. Handfeste Quellen liegen wenige vor. Allgemein wird angenommen, dass Dorothee aus bäuerlichen Kreisen und – höchst wahrscheinlich – aus Obwalden stammte. Sie dürfte um 1430/32 als Ratsherrentochter in der „Schwändi“, in Stalden, oberhalb von Sarnen, geboren sein. Genaue Angaben zu Dorothees Geburtsjahr sind nicht bekannt. Laut dem Quellenwerk von Historiker Robert Durrer (anfangs 20. Jh.), war ihr Vater vermutlich der Ratsherr Rudi Wyss. Heute gilt Durrers Annahme als beinahe unumstössliche Tatsache.

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Älteste Erwähnung von Dorothee Wyss

Erstmals wird Dorothee Wyss in einem quasi-offiziellen Dokument im Jahrzeitbuch des Klosters Engelberg erwähnt. Wir erfahren ihren Vor- und –wahrscheinlich– ihren Nachnamen. 1491 oder kurz davor stifteten Verena von Flüe, Tochter von Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss, und ihr Ehemann Hensli Onofrius unter anderen für

«Bruoder Clausen von Flü on Dorotheen (Weyßlig) siner ewirtin warend» … [Verenas] «vatter on muter»

eine ewige Messe im Kloster Engelberg, welche jeweils am 5. Mai gehalten wurde. Diese Spende wurde vermutlich im Jahr 1491 im Kloster Engelberg fein säuberlich im Jahrzeitbuch eingetragen.

Dorothee Wyss wird explizit als Ehefrau von «Bruder Klaus» – einen Namen, den er nur in der Zeit im Ranft trug – bezeichnet und beide wiederum als «Vater und Mutter» von Verena von Flüe. Dies ist ein schönes und berührendes Zeugnis der Ehe von Niklaus und Dorothee bis in den Tod.

Wachsendes Interesse an Dorothee Wyss, der Frau des Niklaus von Flüe

Mit dem Hörspiel «Ganz nah und weit weg» gab Klara Obermüller (*1940) anfangs der 80er Jahre der Frau an der Seite von Bruder Klaus eine kraftvolle Stimme. Seither ist das Interesse an der Ratsherrentochter weiter gewachsen. Es gründet vor allem auf der Überzeugung der (westlichen) Zivilgesellschaft, dass Männer und Frauen Leben gestalten und formen und gemeinsam Geschichte schreiben. Es ist deshalb nicht mehr als «logisch» und folgerichtig, dass die Frau, ohne deren Einverständnis und Unterstützung sein Lebensweg nicht möglich gewesen wäre, immer mehr aus seinem Schatten tritt.

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