Das Meditationsbild

Das Meditationsbild des Bruder Klaus ist ein Zeugnis christlich abendländischer Meditationspraxis und hat die spirituelle Entwicklung von Niklaus von Flüe entscheidend geprägt. Es stammt aus Mystikerkreisen, die das geistige Erbe der grossen Lehrer christlicher Mystik – Eckhard, Tauler, Seuse – weitertrugen. Die schlichte Einfachheit entspricht seinen scheinbar so einfachen Kernaussagen. Wie sperrig, wie anspruchsvoll, wie unergründlich tief «dieses Buch, in dem ich lerne» tatsächlich ist, wird nur dem bewusst, der sich näher darauf einlässt. Genau so ergeht es einem mit Niklaus von Flüe selbst.

Das Meditationsbild erfuhr als «Hungertuch» von Fastenopfer und Brot für Brüder (1981 und 1987) sowie von Misereor in Deutschland (1980 und 1998) eine grosse Verbreitung. Bis heute ist es in vielen Kirchen und Gemeindezentren der Schweiz und in Deutschland zu finden. Wissenschaftlich massgebend für die Beurteilung von Klausens Betrachtungsbild ist die grundlegende Arbeit von Prof. Heinrich Stirnimann OP (1920-2005) von 1981. Die wichtigste Quelle für die wissenschaftlich-kritische Beurteilung dieses Bildes ist das um 1487 in Augsburg erstmals gedruckte Pilgertraktat.

Während seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigte sich Werner T. Huber sehr intensiv mit dem Pilgertraktat und somit dem Meditationsbild, das er als «Meditationstuch» bezeichnet. Abweichend von der Literatur geht er davon aus, dass das Meditationsbild als Geschenk in den Ranft kam und das einfache Radbild erst nachher entstand.

Das Rad von Bruder Klaus
Dem Meditationsbild liegt die Struktur des Rades zugrunde. Seine Bewegung geht von der Mitte aus und führt zur Mitte zurück. Es übt eine ordnende und konzentrierende Kraft auf Betrachtende aus und ermöglicht einen Zugang zur Spiritualität von Bruder Klaus. Als religiöses Motiv gibt es vor ihm keine identische geometrische Figur, so dass wir Niklaus von Flüe als Schöpfer dieses einfachst möglichen Mandalas betrachten.

«Siehst Du diese Figur?», fragte er einen Besucher und erklärte ihm: «So ist das göttliche Wesen. Der Mittelpunkt ist die ungeteilte Gottheit». Von diesem Mittelpunkt gehe die göttliche Gewalt aus, umfasse den Himmel und alle Welt, führe wieder hinein und sei unteilbar in ewiger Macht. Gott war und blieb für ihn das Zentrum seines Denkens und Handelns.

Das Radbild wurde 1487 von einem unbekannten Pilger als das Rad des Bruder Klaus von Flüe veröffentlicht mit folgender Erklärung von Bruder Klaus selbst: «Das ist mein Buch, darin ich lern und suche die Kunst dieser Lehre». Bruder Klaus nennt das Rad die Figur, in der er das Wesen Gottes Betrachte. «Im mittelsten Punkt ist die ungeteilte Gottheit. Wie die drei Strahlen gehen die drei Personen von der einen Gottheit aus und haben umgriffen den Himmel und die ganze Welt.»

Radbild und Meditationsbild regten Künstler und Wissenschaftler verschiedenster Richtungen an. Beispielhaft dafür sei genannt der Luzerner Architekt Otto Schärli (*1930). In seinem Buch «Werkstatt des Lebens» beschäftigt er sich ausführlich mit dem «Meditationsrad» von Bruder Klaus.

Der reformierte Theologe Christoph Hürlimann (*1938) setzt sich im Buch «Aus der Einheit leben» intensiv mit dem Meditationsbild und den einzelnen Medaillons auseinander.

2018 erschien eine neue Publikation von Abbé Bernard Schubiger in Französisch «Le tissu de méditation de Nicolas de Flue – une boussole pour la vie».

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